SEEWOLF-Studie ... und dann? am 4. September 2014 im Caritashaus in Würzburg

Die Ergebnisse der Studie, die sich mit der seelischen Erkrankungsrate in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe am Beispiel München beschäftigt, wurde im Rahmen der Fachkonferenz „SEEWOLF-Studie…und dann?“, die die Koordination Wohnungslosenhilfe Nordbayern zusammen mit dem Caritasverband für die Diözese Würzburg in Würzburg veranstaltet hat, vorgestellt.

In München hatte die Vorstellung der SEEWOLF-Studie und das Symposium „Wohnungslosenhilfe – Psychiatrie light“ im Juli 2014 für große Aufmerksamkeit gesorgt. Vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Wohnungslosenhilfe in Nordbayern war die Teilnahme jedoch nicht möglich gewesen. Daher wurde kurzfristig die Fachkonferenz zum Thema speziell für Nordbayern angeboten, um auch den nordbayerischen Fachkräften Gelegenheit zur Information und Diskussion zu geben. Mehr als 50 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Ober-, Unter- und Mittelfranken sind dem Ruf gefolgt, darunter Vertreter psychiatrischer Fachkliniken und Beratungsstellen sowie der nordbayerischen Bezirke.

Die SEEWOLF-Studie (Seelische Erkrankungsrate in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe im Großraum München) ist die bisher größte Wohnungslosen-Studie Deutschlands. Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der TU München haben hierfür zwischen 2010 und 2012 232 Menschen befragt, die in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe im Großraum München untergekommen sind. Die im Durchschnitt 48 Jahre alten Befragten gaben unter anderem Auskunft über ihre Herkunft und Familie und wurden körperlich und psychologisch untersucht. Ziel der Studie war es laut TU München, zu analysieren, inwieweit die aktuellen Versorgungsstrukturen den Bedürfnissen wohnungsloser Menschen gerecht werden und welche Maßnahmen nötig wären, um die Betreuung zu verbessern. Bei 75 Prozent der Befragten sahen die Wissenschaftler Bedarf für eine psychiatrische Behandlung, die entsprechende Therapie erhalten viele jedoch nicht.





Prof. Dr. sc. hum. Hans-Joachim Salize vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim stellte den Zuhörern die „Motiwohn-Studie“ vor, die vor allem die Verhinderung der Wohnungslosigkeit bei gefährdeten Menschen in den Fokus rückt. „Man wird nicht wohnungslos geboren“, betonte er. „Eine rechtzeitige adäquate Behandlung würde vieles verhindern und die Gesamtsituation verbessern."  




Diese Erfahrung konnte Dr. med. Monika Brönner vom Klinikum rechts der Isar der TU München, das die Studie veröffentlicht hat, bestätigen: „66 Prozent unserer Befragten waren vor Eintritt der Wohnungslosigkeit bereits krank und hätten entsprechende Hilfe benötigt.“  

Einen Vergleich zur vorausgehenden „Fichter-Studie“ (1994), auf die sich die „SEEWOLF-Studie" teilweise bezieht, zog Thomas Duschinger von der Koordination Wohnungslosenhilfe Südbayern. Mögliche Konsequenzen aus beiden Studien erörterte Dr. paed. Gerd Reifferscheid vom Katholischen Männerfürsorgeverein München. Beide Referenten waren sich darin einig, dass es im Großraum München Fortschritte und Verbesserungen durch die „Fichter-Studie“ gegeben hat.

Bei einer abschließenden Podiumsdiskussion hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, Fragen an die Referenten sowie an Christoph Fischer, Koordination Psychiatrie und Suchthilfe beim Bezirk Oberbayern, Dr. Gebhard Angele, Psychiatriekoordinator beim Bezirk Unterfranken, und Stefan Gerhard, Abteilungsleiter Heimathof Simonshof, zu stellen. Franz Barthel (Redakteur i.R. beim Bayerischen Rundfunk) moderierte den Austausch.

Eine Zusammenfassung der Seewolf-Studie können Sie hier [445 KB] herunterladen.

Update August 2017: Die detaillierten Ergebnise der "SEEWOLF-Studie - Seelische Erkrankungsrate in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe im Großraum München" wurden in einem Buch veröffentlicht. Weitere Informationen hier